Joseph Vögele hat bei KWS Infra in Eindhoven ein Retrofit durchgeführt, das zeigt: Neuinvestitionen sind oft unnötig. Statt einer neuen Asphaltmischanlage für über 2 Millionen Euro bekam die bestehende Anlage eine neue Trockentrommel und einen modernen Brenner. Das Upgrade kostete rund 40 % weniger als ein kompletter Neubau und brachte die technische Ausstattung auf den neuesten Stand.

Warum Retrofitting statt Neukauf rechnet

Die KWS Infra betreibt in Eindhoven eine Asphaltmischanlage, die täglich bis zu 320 Tonnen Material verarbeitet. Nach 15 Betriebsjahren zeigte die Trockentrommel Verschleißerscheinungen. Der alte Brenner erreichte die Effizienzwerte moderner Systeme nicht mehr. Die Standzeiten stiegen, der Energieverbrauch lag 18 % über aktuellen Benchmarks.

Statt die gesamte Anlage zu ersetzen, entschied sich KWS für den gezielten Austausch beider Komponenten. Die neue Trockentrommel von Vögele bringt eine um 22 % höhere Durchsatzleistung. Der neue Brenner arbeitet mit variabler Flammensteuerung und senkt den Gasverbrauch um 15 %. Das bedeutet konkret: Bei 80.000 Tonnen Jahresproduktion spart KWS rund 120.000 Kubikmeter Gas pro Jahr.

Technische Details des Upgrades

Die neue Trockentrommel wiegt 18 Tonnen und misst 8,5 Meter in der Länge. Sie verfügt über optimierte Hebeflügel, die das Material gleichmäßiger durch die Flammenzone führen. Die Verweilzeit des Mischguts sank von 90 auf 72 Sekunden, ohne dass die Trocknungsleistung nachließ. Das erhöht den möglichen Durchsatz von 280 auf 340 Tonnen pro Tag.

Der Brenner arbeitet mit einer Leistung zwischen 6 und 18 Megawatt. Anders als das Vorgängermodell regelt er die Flamme stufenlos und passt sich automatisch an die Feuchte des Granulats an. Das reduziert Spitzenlasten und schont die Trommelauskleidung. Die Wirtgen Group, zu der Vögele gehört, lieferte die Steuerungssoftware mit, die den Brenner mit der bestehenden Anlagensteuerung verbindet.

Montage im laufenden Betrieb

Das Retrofit fand während einer geplanten Wartungspause statt. Die alte Trommel wurde in 12 Stunden demontiert, die neue in 16 Stunden eingebaut. Der Brennerwechsel dauerte zusätzlich 8 Stunden. Insgesamt stand die Anlage 48 Stunden still – deutlich weniger als die 6 bis 8 Wochen, die ein Neubau erfordert hätte.

Vögele lieferte die Komponenten vormontiert und getestet an. Die Anpassung an die vorhandenen Flansche und Anschlüsse erfolgte millimetergenau. KWS musste lediglich die Fundamentverankerungen verstärken, weil die neue Trommel 2,4 Tonnen schwerer ist als die alte. Die erste Testcharge lief 72 Stunden nach Beginn der Arbeiten durch die neue Trommel.

ROI und Betriebskosten im Vergleich

Das Retrofit kostete KWS rund 800.000 Euro inklusive Montage und Inbetriebnahme. Eine vergleichbare neue Asphaltanlage hätte mindestens 2 Millionen Euro gekostet, plus Fundamentarbeiten und längere Ausfallzeiten. Bei einer Jahresproduktion von 80.000 Tonnen und Energieeinsparungen von 1,50 Euro pro Tonne amortisiert sich die Investition in unter 7 Jahren.

Die CO₂-Emissionen sanken durch den effizienteren Brenner um etwa 15 %. Das entspricht bei KWS jährlich rund 1.200 Tonnen CO₂. Für Betriebe, die unter Emissionshandel oder strengen Umweltauflagen arbeiten, kann das ein entscheidender Faktor sein. Zudem erfüllt die nachgerüstete Anlage jetzt die gleichen Abgasnormen wie ein Neubau.

Wann Nachrüstung sinnvoll ist

Nicht jede alte Straßenfertiger-Anlage eignet sich für ein Retrofit. Vögele empfiehlt die Nachrüstung bei Anlagen, die maximal 20 Jahre alt sind und deren Tragstruktur intakt ist. Wenn Fundamente, Siloanlage und Steuerungssystem in gutem Zustand sind, lohnt der gezielte Austausch von Verschleißkomponenten fast immer.

Bei KWS waren Mischer, Silos und Dosierwaagen technisch noch auf dem Stand der Zeit. Nur Trommel und Brenner zeigten Alterungserscheinungen. Genau diese Konstellation macht Retrofits wirtschaftlich interessant. Mittelständische Betriebe sparen sich die hohe Investition in eine komplett neue Anlage und erreichen trotzdem moderne Effizienzwerte.

Ausblick: Nachrüstung wird wichtiger

Die Wirtgen Group bietet Retrofits inzwischen auch für Kaltfräsen und Recycler an. Der Fokus liegt auf Komponenten, die den größten Einfluss auf Energieverbrauch und Emissionen haben: Brenner, Motoren, Hydrauliksysteme. In Zeiten steigender Energiekosten und verschärfter Umweltauflagen wird die gezielte Modernisierung zur echten Alternative gegenüber Neuinvestitionen.

Für Baubetriebe bedeutet das: Vor jeder Ersatzinvestition lohnt die Prüfung, ob ein Retrofit möglich ist. Die Hersteller liefern heute detaillierte Analysen, welche Komponenten ausgetauscht werden müssen und welche Einsparungen realistisch sind. Wer jetzt investiert, sollte auch die Fördermöglichkeiten prüfen – viele Bundesländer unterstützen Maßnahmen zur CO₂-Reduktion im Straßenbau finanziell.